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Süddeutschland und Österreich

Familienurlaub mit und für den Onkel

Prolog

Meine Lieblingsschwester[1][1] Sie ist ja auch meine einzige. wollte gerne an den Bodensee fahren und suchte dafür noch einen Deppen, der ihr bei der Bändigung ihrer beiden Söhne (nicht ganz 14 und beinahe zwölf Jahre alt)[2][2] Das war damals. Das ändert sich ja irgendwie ständig. half. Na ja, was soll ich sagen: Ich bin einfach zu gut für diese Welt.[3][3] Ich gebe zu, dass es nicht so schwer war, mich zu überreden, obwohl oder weil ich nicht wusste, was auf mich zukam.

7. August (Samstag)

Laut meiner Schwester sollte[4][4] Man beachte den Konjunktiv! alles schon am Vortag gepackt sein, Das Plönlein, der "kleine Platz am Brunnen" ist das Wahrzeichen von Rothenburg ob der Tauber und diente schon Filmen und Computerspielen als Vorlage für mittelalterliche Kulissen.
Das Plönlein, der "kleine Platz am Brunnen" ist das Wahrzeichen von Rothenburg ob der Tauber und diente schon Filmen und Computerspielen als Vorlage für mittelalterliche Kulissen.
sodass wir ganz entspannt um sieben Uhr aufstehen wollten, aber ich schien der einzige zu sein, der sich an diese Verabredung erinnerte, wobei immerhin meine beiden Neffen noch relativ schnell aktiviert werden konnten. Langsam füllte sich der Hausflur mit ziemlich vielen mehr oder weniger wichtigen Dingen, die nur darauf warteten, ins Auto verfrachtet zu werden. Nur der große Koffer als Unterbau fehlte bis kurz vor der Abfahrt.

Auch auf die von meinem Schwager zugesagten Brötchen mussten wir warten, aber trotzdem konnten wir nur eine halbe Stunde später als geplant Richtung Süden starten.[5][5] Ehrlich gesagt habe ich im Vorfeld so ein pünktliches Loskommen kaum erwartet. So ging es die A7, die gefühlt mehr Baustellen als reguläre Streckenabschnitte hatte, entlang Richtung Rothenburg ob der Tauber, eine Stadt, die vor zwei Jahren noch von Japanern überrannt wurde, sich nun aber wegen Corona mit nur mäßiger Touristenanzahl vor uns ausbreitete. Der Ort ist wirklich sehr schön und bietet tolle Ansichten, nur das nervige Wetter und mein ältester Neffe sorgten dafür, dass noch nicht so richtig Freude am Schlendern durch die mittelalterliche Altstadt aufkam. Richtig entspannt wurde es erst wieder bei der Weiterfahrt. Die beiden Jungs waren immer wahnsinnig zufrieden, wenn sie angeschnallt im Auto sitzen und ein Buch oder elektronisches Gerät vor sich haben konnten. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, dann hätten wir den Urlaub auch in der heimischen Einfahrt verbringen können.

8. August (Sonntag)

Nach dem gemütlichen Ausschlafen[6][6] Ich war ja (noch) nicht mit Dirk unterwegs., ging es nach Friedrichshafen und dort ins Zeppelinmuseum, für das wir im Vorfeld eine Führung gebucht hatten. Glücklicherweise kam das Museum auch bei den beiden Kurzen[7][7] Ich befürchte, dass diese Bezeichnung nicht mehr lange gilt. gut an. Das Highlight war die Jagd nach Karten, die man an verschiedenen Stellen suchen musste und die zusätzliche kindgerechte Informationen enthielten. Gelesen hat die nur meine Schwester.

9. August (Montag)

Ich habe – zumindest beim Fahren – gerne jemanden, der mir sagt, wo es lang geht.[8][8] Das ist mein leicht devoter Charakter. Nicht nur das Klettern war schön, sondern auch die Aussicht.
Nicht nur das Klettern war schön, sondern auch die Aussicht.
Das kann ein Navi oder auch die Beifahrerin sein. Unpraktisch wird es allerdings dann, wenn beide in unterschiedliche Richtungen wollen. Ersteres empfahl mir die Autobahn, meine Schwester wollte uns dagegen die deutlich schönere Deutsche Alpenstraße entlang lotsen, was ihr allerdings nicht gelang. Selbst ich schaffte es nicht, bei 120 Kilometer pro Stunde auf der Autobahn zu schauen, welche Wunschstrecke sie mir genau im Atlas zeigen wollte.[9][9] Ich wollte es auch gar nicht probieren. Das Ergebnis war eine nicht wirklich optimale Streckenführung, aber zumindest die Jungs waren glücklich.[10][10] Woher ich das weiß? Wenn ich das sage, dann ist das so!

Ziel war der Edelrid-Klettersteig, für den wir von der Bergstation der Iseler Seilbahn noch eine knappe halbe Stunde wandern mussten, was für Unmut sorgte.[11][11] Es ist ja auch schlecht geplant, dass man solche Klettersteige in die Berge setzt und nicht ins Flachland, wo man mit dem Auto direkt hätte vorfahren können. Insgesamt blieb die Stimmung heute aber trotzdem positiv. Der früher Salewa genannte Klettersteig ist familienfreundlich, hat aber auch eine Stelle mit Schwierigkeitsgrad C, die leicht überhängt, sodass man schon aufpassen muss, sich nicht zu übernehmen. Auf dem Abenteuertrail – ein hochtrabender Name für einen asphaltierten Weg – kommt man direkt an die sprudelnden Wassermassen des Rheinfalls heran.
Auf dem Abenteuertrail – ein hochtrabender Name für einen asphaltierten Weg – kommt man direkt an die sprudelnden Wassermassen des Rheinfalls heran.
Die beiden Kinder waren motiviert und konzentriert dabei, nur meine Schwester hatte etwas Probleme. Glücklicherweise ging direkt hinter ihr ein Bergführer, der sie zwischenzeitlich ans Seil nahm und ihr in den schwierigen Passagen half. So erreichten wir alle wohlbehalten das Gipfelkreuz.

10. August (Dienstag)

Die Deutsch-Schweizer Grenze um Schaffhausen folgt überraschenderweise nicht dem Rhein, sondern ist scheinbar so willkürlich gezogen, als wollte man damit den Kopf und die Flügel eines Drachen nachbilden. Meine Vermutung ist, dass bei irgendwelchen Verhandlungen viel Alkohol im Spiel war. So fuhren wir auf Schweizer Gebiet, was dazu führte, dass wir für die Kinder einen negativen Corona-Test brauchten. Es waren dabei gar nicht die Eidgenossen, die den sehen wollten, aber für die Rückkehr nach Deutschland wurde er benötigt, obwohl wir nur ein paar Stunden dort sein wollten. Überprüft wurde er (natürlich) nicht. Der Ausflug zum Rheinfall war alles Andere als ein Reinfall.[12][12] Ha, der Wortwitz wurde vorher ganz bestimmt noch nie gemacht! Wir bewegten uns zu Fuß und mit dem Schiff einmal um ihn herum und genossen dabei die herrlichen Blicke, die sich uns boten. Darüber hinaus erklommen wir auch den Felsen in der Mitte.

Auf dem Rückweg nahmen wir noch die Kirche von St. Georg auf der Insel Reichenau mit, die wegen ihrer alten und gut erhaltenen Bemalung im Inneren Eindruck machte – zumindest bei meiner Schwester und mir. Der Nachwuchs verschanzte sich dagegen im Auto. Mehr als ein Ziel pro Tag wäre sicherlich eine Überforderung gewesen.

Abends fragten wir die beiden, ob sie mit uns kommen wollten, um noch ein paar alte Gebäude anzusehen, aber sie lehnten entschieden ab. Auf dem Foto kann man im Hintergrund den Bodensee und die Alpen nur erahnen.
Auf dem Foto kann man im Hintergrund den Bodensee und die Alpen nur erahnen.
So konnten wir ganz gemütlich ohne sie zur Wellness nach Meersburg fahren.[13][13] Nein, wir waren natürlich ehrlich. Glücklicherweise sind meine Neffen nicht so blöd, dass sie uns das sonst geglaubt hätten. Die Therme liegt wunderschön direkt am See und von der Sauna aus konnten wir den Blick auf die Berge, den Sonnenuntergang über dem Wasser und den Gang in den kühlenden See genießen. Mir schien, dass besonders meiner Schwester die Entspannung und die Zeit zum gemeinsamen Austausch sehr gutgetan haben.

Da die Saunen jeweils nur eine begrenzte Personenzahl zuließen, nahm man sich an der Tür einen Holzstab mit, den man nach dem Saunagang wieder zurücklegen musste. So konnte man bereits am Eingang erkennen, Das Pfahlbaumuseum öffnete vor rund 100 Jahren seine Pforten und zählt heute laut Wikipedia zu den größten und meistbesuchten Freilichtmuseen Europas.
Das Pfahlbaumuseum öffnete vor rund 100 Jahren seine Pforten und zählt heute laut Wikipedia zu den größten und meistbesuchten Freilichtmuseen Europas.
ob noch Platz frei war. Gerüchte besagen, dass man beim ersten Vergessen des Stabes fünf Stockhiebe und beim zweiten fünf Peitschenhiebe erhält. Beim dritten Mal kommt man in den See mit einem Gewicht an den Füßen.[14][14] Vergleiche Asterix bei den Schweizern.

11. August (Mittwoch)

Es brauchte 45 Minuten an Gerede, das ich nicht Gespräch nennen möchte, bis mein ältester Neffe endlich bereit war, die Sonnencreme aufzutragen und sich auf sein Fahrrad zu bequemen.[15][15] Er wäre damit fast aus der Top 3 meiner Lieblingsneffen gefallen. Anschließend radelten wir nach Meersburg, flanierten die sehenswerte Uferpromenade entlang und fuhren weiter nach Uhldingen zum Pfahlbaumuseum, das mit sehr schönen nachgebauten Häusern aufwartete. Auf dem Nachhauseweg durchwanderten wir zu dritt die Altstadt von Meersburg und tranken auf dem Marktplatz gemütlich Milchshakes, während das Pubertier schon schlecht gelaunt vorweg nach Hause geradelt war.

12. August (Donnerstag)

Auf dem Weg zum Kletterpark schlugen sich zwei von uns Vieren[16][16] Ich verrate nicht, wer das war. und verbreiteten so extrem schlechte Laune, dass ich keine Lust mehr hatte. So drehten wir unverrichteter Dinge wieder um und hofften, dass wir morgen erfolgreicher sein würden.

Immerhin konnten die beiden später trotzdem noch einträchtig auf einer Wiese nahe am Wasser spielen. Ich finde es manchmal erstaunlich, wie sehr und hart die beiden streiten können, nur um dann kurz Zeit später wieder ohne Probleme etwas miteinander zu unternehmen. Auch abends duellierten wir uns ganz friedlich bei einem Quiz.

13. August (Freitag)

Wir nahmen den nächsten Anlauf auf den Hochseilgarten. Das Neinhorn (vgl. Marc Uwe Kling)[17][17] Heutzutage gebe ich lieber überall haargenau die Quellen an, damit mich das nicht einholt, falls ich eines Tages Bundeskanzlerin werden will. wollte partout nicht mit, sodass wir zu dritt viel Spaß zwischen den Bäumen in luftiger Höhe hatten, Highlight auf der Insel Mainau war das Schmetterlingshaus. Mit Tierbeobachtungen sind Dirk und ich eigentlich immer zu begeistern.
Highlight auf der Insel Mainau war das Schmetterlingshaus. Mit Tierbeobachtungen sind Dirk und ich eigentlich immer zu begeistern.
während sich der Zurückgebliebene stattdessen lieber dreieinhalb Stunden auf der Terrasse langweilen wollte.

Abends spielten wir wieder gemeinsam, diesmal Cluedo in der Schokoladen-Edition zum Aufessen. Letzteres wurde um wenige Tage verschoben, damit man es noch ein zweites Mal spielen könne, aber mir wurde versichert, dass es nach meiner Abfahrt vernichtet werden würde. Ein halbes Jahr später habe ich es unangetastet im Arbeitszimmer meiner Schwester wiederentdeckt. Vermutlich liegt es dort noch immer.

14. August (Samstag)

Wir fuhren gemeinsam nach Konstanz, das von den Eingeborenen ungefähr „Konschtansch“ ausgesprochen wird, wo wir Dirk trafen. Während meine Schwester mit den Kindern zusammen die Stadt unsicher machte, widmeten Dirk und ich uns der Insel Mainau, wo wir die vielen schönen Blumen, das Ambiente und natürlich auch eines der größten Schmetterlingshäuser Deutschlands genossen. Die Hibiskus-Blüten waren bei Fotografen und Insekten gleichermaßen beliebt.
Die Hibiskus-Blüten waren bei Fotografen und Insekten gleichermaßen beliebt.
Nicht überzeugt hat uns die Blumenuhr, auf der man anhand der gerade geöffneten Blüten angeblich die Uhrzeit bis auf wenige Minuten genau ablesen konnte. Für uns sahen alle Blumen verwelkt aus.

Abends verabschiedeten Dirk und ich uns von meiner Verwandtschaft und starteten in den gemeinsamen Urlaub.

15. August (Sonntag)

Normalerweise schaue ich aus dem Fenster, wenn ich wissen möchte, wie das Wetter ist. Interessiert mich dagegen das Wetter von morgen, dann sehe ich morgen nach draußen – und das, obwohl ich weiß, dass die Wettervorhersage wirklich gut und zuverlässig ist. Für die heutige Planung hatten wir die Prognosen studiert, was dazu führte, dass wir unseren geplanten Tagesablauf spontan änderten. Dadurch legten wir zwar für das Hin-und-Herfahren zusätzliche Kilometer zurück, bereuten dies aber nicht.

Damit endlich so richtig Urlaubsfeeling aufkam, standen wir früh auf und machten uns bereits um 6.30 Uhr auf den Weg zur Zugspitze – ein großer Berg für Deutschland, aber nur ein winziger Hügel für den Rest der Welt.[18][18] Okay, den Niederländern können wir vielleicht auch noch damit imponieren. Sogar die österreichische Seite war ursprünglich höher, bis sie 1938 von den Nazis gesprengt wurde. Von der Terrasse unseres Restaurants hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Zugspitzmassiv.
Von der Terrasse unseres Restaurants hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Zugspitzmassiv.
Immerhin wächst der höchste Gipfel Deutschlands durch die Auffaltung der Alpen und das Abtauen der Gletscher jedes Jahr um mehr als ein Millimeter nach oben. Das bedeutet, dass sie den Mont Blanc in ein bis zwei Millionen Jahren überholt haben wird.[19][19] Verwirrt mich jetzt bitte nicht mit logischen Argumenten. Ich habe mir meine Meinung bereits gebildet. Dann sind wir wieder wer!

Die Aussicht war gut, aber der sogenannte „Gletscher“ bot nur ein erbärmliches Bild. Da findet sich ja mehr Eis an der Innenwand meines Gefrierschranks. Trotzdem konnte ich nicht widerstehen, zumindest einmal kurz 40 Meter zu rodeln, da in diesem Jahr mein Wintersport zu kurz gekommen war.

Zurück ging es über die Grenze nach Deutschland[20][20] Mit den Übertritten auf der Zugspitze wechselten wir an diesem Tag mindestens fünfmal zwischen Deutschland und Österreich hin und her. Gab es jemals einen Tag, an dem ich häufiger eine Staatsgrenze überschritten habe? und zum Schloss Neuschwanstein, vielleicht das weltweit berühmteste deutsche Bauwerk. Normalerweise tummeln sich hier Unmengen an japanischen Touristen, aber wegen Corona war es erfrischend leer, obwohl doch noch genug los war. Die "Neue Burg Hohenschwangau", wie das Schloss ursprünglich hieß, wird oft als Inbegriff einer typischen mittelalterlichen Ritterburg gesehen, obwohl sie erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.
Die "Neue Burg Hohenschwangau", wie das Schloss ursprünglich hieß, wird oft als Inbegriff einer typischen mittelalterlichen Ritterburg gesehen, obwohl sie erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.
Das wichtigste Ziel für Fotografen war leider gesperrt: die Marienbrücke. Dort muss man stehen, um den bekannten Postkartenblick auf das Bauprojekt zu erhalten. Da dies nicht möglich war, überwanden wir deshalb wie viele vor und nach uns eine Absperrung und fotografierten von einer steilen Kante aus, die wir mit entsprechendem Abstand erklommen. Zwei Meter weiter vorne hätten wir spektakuläre Bilder während des Falls in die Pöllatschlucht aufnehmen können.

Abends ging es nach Innsbruck weiter, wo sich ein Problem unserer Urlaubsplanung offenbarte. Auf früheren Reisen hatten wir in vielen Fällen nach dem Abendessen nichts mehr zu tun und konnten uns dann um die Planung für die kommenden Tage, um Postkarten und um den Reisebericht kümmern. Da wir diesmal meist Hotels gebucht hatten, die sehr zentral lagen, waren wir abends oft noch lange unterwegs und genossen die nächtlichen Panoramen, wodurch kaum noch Zeit für die wichtigen Dinge blieb.

16. August (Montag)

Diesmal standen wir ganz gemütlich auf und starteten erst kurz nach acht in die Altstadt von Innsbruck. Dabei stellte sich heraus, dass wir tatsächlich zu früh unterwegs waren, weil die schönen alten Häuser noch von hässlichen Lieferwagen verdeckt wurden. Das war aber nicht schlimm, So einen Erker hätte ich auch gerne an meiner Wohnung. Allerdings würde es mich nerven, wenn er und ich dauernd von Touristen fotografiert werden würden.
So einen Erker hätte ich auch gerne an meiner Wohnung. Allerdings würde es mich nerven, wenn er und ich dauernd von Touristen fotografiert werden würden.
da – entgegen der Vorhersage – das Wetter immer besser wurde. Daher konnten wir die Gebäude später sowieso in besserem Licht und mit Touristen statt LKW davor ablichten. Ein wichtiges Fotoobjekt war natürlich das „Goldene Dachl“, ein prunkvoll verzierter Erker, wenn er auch nur mit vergoldeten Schindeln bedeckt ist.

Nach dem Besuch der Hofkirche, dem ausgedehnten Stadtrundgang und dem gemütlichen Mittagessen in der Fußgängerzone besuchten wir die Svarowski-Kristallwelt, die vor den Toren der Stadt liegt. Im Vorfeld waren wir uns nicht sicher gewesen, ob das wirklich unser Highlight werden würde, aber laut Reiseführer und verschiedener Internetportale musste man sie wohl gesehen haben. Da die Schlange vor der Hauptattraktion sehr lang war und außerdem das schon lange versprochene und doch nicht vermisste Unwetter endlich eingetroffen war, fesselte uns das Areal nur kurz.

Wenn wir in exotischen Gegenden unterwegs sind, dann ist es für uns selbstverständlich, dass wir auch die einheimischen Spezialitäten probieren, selbst wenn sie noch so absonderlich scheinen. So bestellte ich in Schwaben todesmutig eine Seele, die sich dann aber als relativ normales Brot herausstellte. Aus dem gleichen Grund gab es heute für mich einen Apfelstrudl, wobei ich nicht eruieren konnte, ob das fehlende „e“ auf eine besondere Spezialität hinwies oder einfach nur einen Rechtschreibfehler symbolisierte. Ein paar Tage später war ich noch mutiger und wagte mich sogar an ein Wiener Schnitzel.

17. August (Dienstag)

In Rosenheim waren wir – wie auch in einigen anderen Städten – mit einem digitalen Stadtrundgang unterwegs, den wir uns im Vorfeld aufs Handy geladen hatten. Je nach City schwankte die Qualität zwischen okay und richtig gut, sodass wir diese Methode sicherlich in weiteren Urlauben nutzen werden. Nervig war lediglich, dass die Formate der Stadtführer sehr unterschiedlich waren und man jedes Mal eine andere App benötigte, die nicht immer intuitiv benutzbar war. Rosenheim selbst hatte zwar eine nette Innenstadt, aber der Funke sprang nicht auf uns über.

Das nächste Ziel war der Chiemsee, wobei natürlich nicht das Wasser im Vordergrund stand, sondern die größte darauf befindliche Insel: Herrenchiemsee. Ludwig II., der bereits für Neuschwanstein verantwortlich war, hatte sich hier eine durchaus sehenswerte verkleinerte Nachbildung von Schloss Versailles erschaffen lassen. Das integrierte Museum über den Märchenkönig stellte gut heraus, was Ludwig alles gebaut hat oder bauen wollte. Der Mangel an Aussagen über die von ihm verfolgte Politik machte deutlich, dass er dagegen als Staatenlenker bestenfalls bedingt geeignet war.

18. August (Mittwoch)

Auch in Salzburg, das wir am Vorabend noch angesteuert hatten, stand natürlich ein ausgedehnter Stadtrundgang auf dem Programm. Wir begannen mit der Festung Hohensalzburg, die malerisch über der Innenstadt thront, und arbeiteten uns über Dom und Pferdeschwemme, Die Festung ist und war eine der größten Burganlagen Europas.
Die Festung ist und war eine der größten Burganlagen Europas.
eine Art Waschstraße für Pferde[21][21] Gut, dass ich nun weiß, was das ist. So muss ich nicht gänzlich ungebildet sterben., bis zum Mozarthaus vor.

Den Abschluss machte erneut die Burg, da wir dort ein VIP-Dinner und Konzert mit Werken von Mozart, Schubert, Dvořák und Strauß gebucht hatten. Wir waren zwar keine goldenen „very important Persons“, konnten aber immerhin abfällig auf die gewöhnlichen Besucher herunterblicken. Anscheinend sah man uns unseren gehobenen Status nicht so richtig an, da uns zunächst die falsche Suppe und später die falsche Nachspeise serviert wurde. Da wir anschließend auch jeweils die richtigen Dinge bekamen, konnten wir immerhin eine Menge probieren. Auch Salzburger Nockerl, die angeblich die verschneiten Hausberge der Stadt darstellen sollen, waren dabei.

Anschließend fielen noch ein paar Nachtbilder von der Burg aus ab, wobei nicht so richtig ein Motiv zu finden war. Die Stadt war zwar erleuchtet, Normalerweise darf man in der Eishöhle nicht fotografieren, weil das die Gruppe zeitlich zu sehr aufhält, aber da früh am morgen noch wenig los war, wurde es uns gestattet.
Normalerweise darf man in der Eishöhle nicht fotografieren, weil das die Gruppe zeitlich zu sehr aufhält, aber da früh am morgen noch wenig los war, wurde es uns gestattet.
aber die wichtigen Bauwerke nur teilweise oder man wurde durch die entgegen strahlenden Scheinwerfer geblendet.

19. August (Donnerstag)

Der frühe Vogel fing mal wieder den Wurm.[22][22] Aber bedenke: Die zweite Maus frisst den Käse. So saßen wir bereits Punkt sieben Uhr beim Frühstück und enterten nicht lange danach die Rieseneiswelt Werfen. Dies ist mit 42 km Länge die größte Eishöhle der Welt. Im Winter kühlt sie durch kalte Luftmassen stark ab, sodass das Wasser, das vor allem im Frühjahr eindringt, dort gefrieren kann. Im Sommer taut zwar ein Teil des Eises wieder ab, aber insgesamt bleibt immer noch eine Menge zurück, sodass ca. anderthalb Kilometer ständig vereist sind.

Die Tour war sehr interessant, auch wenn die Höhle an sich nicht so abwechslungsreich war wie erwartet. Beim Wegfahren bestätigte sich, dass sich unsere frühe Anreise auf jeden Fall gelohnt hatte, da es mittlerweile ziemlich voll geworden war.

Anschließend ging es zurück in die Randbereiche von Salzburg zum Schloss Hellbrunn mit seinen Wasserspielen, die dort ab Beginn des 17. Jahrhunderts aufgebaut wurden. Ich hatte dabei an einen gemütlichen Spaziergang Nicht nur die Kinder hatten bei den Wasserspielen in Hellbrunn eine Menge Spaß.
Nicht nur die Kinder hatten bei den Wasserspielen in Hellbrunn eine Menge Spaß.
mit begleitenden Fontänen und ruhigem Wasserverlauf wie in Kassel-Wilhelmshöhe gedacht, mich aber gänzlich geirrt. Stattdessen kam das Wasser neckisch, verspielt, schelmisch und spritzig aus allen Richtungen und man musste aufpassen, wo man sich hinsetzte und wie man seine Kamera schützte.

Danach ging es zum letzten Mal zurück nach Deutschland, diesmal nach Passau zum Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Dort übernachteten wir im Hotel „Wilder Mann“, einem verwinkelten Zusammenschluss aus vier Gebäuden, deren Geschichte zurück bis ins Mittelalter reicht. Da war es auch zu verkraften, dass unser Zimmer so klein war, dass ich ins Badezimmer gehen musste, wenn Dirk sich umdrehen wollte. Das Haus rühmte sich damit, dass dort jede Menge hochgestellte Persönlichkeiten residiert hätten. Vermutlich machen sie nun damit Werbung, dass wir dort eingekehrt sind.

Abends genossen wir die Altstadt von Passau bei einem kleinen Stadtrundgang. Mit dieser Aktivität waren wir eher alleine.

20. August (Freitag)

Morgens folgte dann der ausführliche Bummel durch die Innenstadt, wobei uns hier leider der Stadtführer/Audioguide fehlte, sodass die Informationen nur spärlich waren. Die Lage der Gedenkstätte Walhalla ist aus fotografischer Sicht gut gewählt, aber mit der Verehrung der „teutschen Zunge“ kann ich wenig anfangen.
Die Lage der Gedenkstätte Walhalla ist aus fotografischer Sicht gut gewählt, aber mit der Verehrung der „teutschen Zunge“ kann ich wenig anfangen.
Auch waren die meisten Dinge, die wir besichtigen wollten, geschlossen. Lediglich auf den Dom mit seinem großen Kircheninnenraum und der größten Orgel Europas war Verlass. Letztere besteht streng genommen aus fünf einzelnen Orgeln. Im Konzert, für das wir Karten ergattert hatten, waren davon immerhin drei Orgeln zu hören.[23][23] Es war erstaunlich leicht, Karten zu bekommen, da in Passau touristisch fast nichts los war.

Als Nächstes machten wir bei der Gedenkstätte Walhalla halt. Dort werden – salopp gesagt – die größten und wichtigsten Deutschen geehrt. Ihr vermutet sicherlich zu Recht, dass dort auch eine Büste von mir steht, aber die Voraussetzung für die Ehrung ist, dass man mindestens 20 Jahre tot ist. Damit kann ich derzeit (noch) nicht dienen. Ich hatte vermutet, dass man bei mir durchaus eine Ausnahme machen würde, habe aber nicht darauf gedrungen, um nicht anmaßend zu erscheinen.

21. August (Samstag)

Die letzten beiden Tage nahmen wir uns Nürnberg zur Brust und begannen mit einer Tour durch die Felsengänge. Bereits im 14. Jahrhundert wurden Keller in den Felsen unter der Altstadt getrieben, um dort das Bier kühl lagern zu können. Diese wurden im Zweiten Weltkrieg noch erweitert und miteinander verbunden, um als Luftschutzbunker zu dienen. Deswegen sind – trotz schwerer Bombenangriffe auf Nürnberg – nur wenige Menschen bei Bombardierungen gestorben. Merke: Bier kann Leben retten!

Von 1933 bis 1938 ließ Hitler die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg stattfinden. Der letzte, der eigentlich noch im September 1939 hier hätte abgehalten werden sollen, wurde abgesagt. Er hätte nach dem Überfall auf Polen stattgefunden und ironischerweise „Reichsparteitag des Friedens“ geheißen.

Als wir ankamen stand vor dem Museum auf dem Reichsparteitagsgelände bereits eine lange Menschenschlange, die darauf wartete, dass jemand das Museum verließ, damit Platz darin sei. Wir hatten unseren Zeitslot zuvor im Internet reserviert und konnten so direkt hinein, obwohl es eigentlich schon überfüllt war. Die Ausstellung war interessant und eindrücklich, aber leider fehlte ein wenig die Verknüpfung zum Ort. Das Museum hätte auch ganz woanders stehen können.

Nach einem ausführlichen Stadtrundgang mit digitaler Unterstützung nahmen wir abends an einer sehr informativen Stadtführung mit menschlichem Guide teil. Überraschender- und erfreulicherweise waren nahezu keine Überschneidungen vorhanden. In Nürnberg bietet die Kombination aus Pegnitz und Altstadt (hier Henkerhaus und Henkersteg) viele schöne Fotomotive.
In Nürnberg bietet die Kombination aus Pegnitz und Altstadt (hier Henkerhaus und Henkersteg) viele schöne Fotomotive.
Die Altstadt und deren Lokalitäten waren – ganz im Gegensatz zur Situation in Passau zuvor – gut gefüllt, sodass man sich schon fragen muss, was Nürnberg richtig und Passau falsch gemacht hat.

22. August (Sonntag)

Laut Wikipedia ist Nürnberg „einer der bedeutendsten Museumsstandorte im deutschsprachigen Raum und besitzt unter den deutschen Millionen- und Halbmillionenstädten die meisten Museen pro Einwohner.“ Nicht nur deswegen hat mir Nürnberg sehr gut gefallen und ich frage mich, warum ich es vorher nur einmal kurz zum Christkindlesmarkt besucht hatte.

Da heute unser letzter Tag war, legten wir noch mal richtig los. In der Frühe eroberten wir die Festung, um dann das Museum in der Kaiserburg in Angriff zu nehmen, sobald es seine Pforten öffnete. Gleich darauf ging es mit dem Albrecht-Dürer-Haus weiter, sobald es uns einließ. Leider waren dort keine original Gemälde vom Meister selber zu sehen.[24][24] Hätte ich die Unterschiede zwischen den Originalen und den Kopien gesehen? Vermutlich nicht, da ich ein Kunstbanause bin. Nach einer kleinen Pause auf dem Marktplatz kümmerten wir uns noch um das Memorium Nürnberger Prozesse, das sich mit den Kriegsverbrecherprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte. Alle drei Museen waren den Besuch wert.

Epilog

Ich habe in den zwei Wochen deutlich gemerkt, dass es für mich wichtig war, nach einiger Abstinenz wegen Corona zumindest mal wieder einen kleinen Urlaub und weitgehende Normalität einschieben zu können.