Navigation  

Kopfüber Downunder

Unterwegs auf Bali, Neuseeland und Australien

Druckversion als PDF-Dokument (2,4 MB)

Prolog

Wiedereinmal war ich in der großen weiten Welt unterwegs und habe einen kleinen Reisebericht abgefasst. Auch für diesen Bericht gilt, dass nichts erfunden ist. Schild: Vorsicht Kängurus.
Diese Schilder lassen sich tatsächlich so in Australien finden.
Alles ist tatsächlich so passiert, auch wenn es teilweise etwas unglaublich klingt.

Es begann also alles damit, dass ich den Koffer unter den Arm nahm und …
Nein, weit gefehlt, es begann viel eher!

Dirk, Holger und ich wollten zusammen in den Urlaub fliegen und blieben nach kurzer Vorbereitung bei Australien hängen. Holgers Preisvorstellung von insgesamt 3500 DM[1][1] Die älteren von uns erinnern sich vielleicht noch: 2 DM waren ungefähr 1 €. war schnell überholt, kosteten doch die Flüge und die Mietautos schon über 4000 DM für jeden von uns.

Gebucht hatten wir den Urlaub bei STA-Travel, die vor allem durch lange Wartezeiten vor dem Schalter glänzten, aber auch so manch andere nette Überraschung auf Lager hielten.[2][2] Wir aber im weiteren Verlauf auch für sie. Das gleicht sich wieder aus. Anfang April stand die Reise dann im Groben. Sie sollte von Frankfurt nach Den Pasar (Indonesien) gehen. Unsere geplant Route in Neuseeland.
Unsere geplant Route in Neuseeland.
Dort gab es einen Tag Aufenthalt, bevor wir weiter nach Auckland (Neuseeland) geflogen wurden. Von dort fuhrt der Campervan nach Christchurch, von wo es über Ayers Rock (Australien) nach Adelaide (Australien) weiterging. Dort wartete wieder ein Campervan auf uns, der uns nach Cairns brachte. Ich flog von dort wieder nach Frankfurt, während Dirk und Holger zum Tauchen blieben und anschließend über Sydney nach Frankfurt zurückflogen.

Kaum war diese Reise ausgetüftelt, da kamen auch schon jede Menge Aufgaben von allen möglich Seiten auf mich zu. Einerseits sollte ich mich wissenschaftlich betätigen: "Dreht sich der Strudel im Abfluss wirklich andersherum?"[3][3] Ja, tut er. oder "Fallen die Leute in Australien wirklich nicht einfach von der Erde runter?"[4][4] Nein, tun sie nicht! Wie auch, die Erde ist ja schließlich eine Scheibe! Auch andere Aufgaben hatte ich, bei denen ich aber oftmals versagt habe. So habe ich weder ein Rudel von den kleinen Kängurus, die in die Hosentasche passen, mitgebracht, noch ein großes Riesenkänguru, in dessen Beutel unser Hund gerne über unseren Zaun gesprungen wäre. Unsere geplant Route in Australien.
Unsere geplant Route in Australien.
Allerdings konnte ich alle "eierlegenden nach Westen guckenden Kängurus mit gestreiftem Ringelschwanz" grüßen.[5][5] Ja, das war tatsächlich eine Aufgabe.

Wir hatten die Reise Mitte April gebucht und Anfang Juni bezahlt. Aufgrund der Beschränkungen unserer EC-Karten bezahlten wir in mehreren Etappen. Auf meine Nachfrage bei der Deutschen Bank, wie viel ich überhaupt mit der EC-Karte bezahlen könne, wurde mir als Grenze 1000 DM pro Tag genannt. Erst nach mehrmaligem Versichern, dass ich damit über 1800 DM auf einmal gezahlt habe, wurde mir geglaubt, obwohl das eigentlich nicht sein könne.

Eigentlich sollten unsere Tickets Mitte Juni da sein, da wir am 28. fliegen wollten. Wir wurden dann aber gekonnt nochmals um eine Woche vertröstet. Dabei wurde uns - völlig überraschend für uns - nebenbei erklärt, dass der Flug von Dirk und Holger nur auf Warteliste sei und die beiden je 100 DM mehr bezahlen müssten, falls sie fliegen wollten. Wir einigten uns dann doch mit dem Reisebüro, das den eigenen Fehler einsah, auf die Hälfte des Betrages. Als Ausgleich bekamen wir die Tickets auch schon fast eine Woche, bevor wir fliegen wollten.

Am Dienstag darauf (einen Tag vor dem Flug) bekam Dirk einen Anruf von STA-Travel, bei dem ihm offenbart wurde, dass Holger und er die falschen Tickets hätten. Die richtigen gäbe es an einem Schalter im Flughafen. Also standen wir einen Tag der Abreise wieder ohne Tickets da.

Mittwoch, 28.6.2000 (Abreisetag)

Wir trafen uns im Frankfurter Flughafen, fanden den entsprechenden Schalter, und dort lag tatsächlich ein Umschlag mit einem Ticket für uns. Nun auch weniger mathematikbegabte Leute werden nun feststellen, dass das eigentlich zu wenig für Holger und Dirk war. Nach einer halben Stunde Wartezeit und ein paar Elektronen, die durch den Draht geschickt wurden, bekamen wir aber dann doch unsere zwei Tickets und marschierten fröhlich Richtung Flugzeug.

Ich hatte meine Koffer extra so gepackt, dass die schwersten Sachen im Handgepäck waren. Das Wiegen ergab, das mein Koffer schon auf dem Hinflug mit 24 kg (erlaubt 20 kg) und mein Handgepäck mit 12 kg (erlaubt 2 kg) zu Buche schlugen. Ich wunderte mich, wie es erst beim Rückflug sein sollte …[6][6] Ich verrate noch nicht wie, aber ich konnte das Gewicht reduzieren.

Donnerstag, 29.6.2000 (Den Pasar, Bali)

Aus dem Flugzeug raus mussten wir durch die Passkontrolle. So standen wir ca. eine halbe Stunde in einer Schlange von ca. 50 bis 100 Leuten, die sich gar nicht bewegte. Eine kurze Hochrechnung ergab, dass wir so unseren Flieger am nächsten Abend nicht rechtzeitig kriegen würden. Nach mehrmaligem Schlangewechseln waren wir 30 Minuten später durch die Passkontrolle durch. Dafür konnten wir unser Gepäck am Gepäckband besonders gut erkennen, war es doch das einzige, was noch da war. Immerhin war es noch da …

Kaum hatten wir das Gepäck aufgenommen, da wurde es uns auch schon aus der Hand gerissen und zum Zoll geschleppt. Bevor wir wussten, dass wird dort durch waren, fanden wir uns schon in einer Schlange vor einer Wechselstube wieder, obwohl wir eigentlich gar kein Geld wechseln wollten. Das bedeutet also Werbung auf Bali.

Auf dem Flughafenvorplatz drängten wir uns durch das Gewühl und suchten uns eine einigermaßen ruhige Ecke, um uns zu sammeln. Unser Hotel auf Bali.
Das Hotel hielt alle seine Versprechungen. Wer hätte das gedacht?
Während wir gerade beraten wollten, sprach uns ein Mann an und bot uns eine Übernachtungsmöglichkeit für drei Personen für 35 US$ an. Unser Zimmer sollte nicht nur fließend, sondern auch warmes Wasser und eine Toilette haben. Sogar einen Swimmingpool gäbe es, und der Strand sei nah. Wir nahmen das Angebot einfach mal an und bestiegen nach dem Bezahlen von 11000 Rupien (zwei bis drei DM) mit dem Mann ein Taxi, dass uns Richtung Stadt brachte. Auf dem Weg bog das Taxi plötzlich in eine sehr kleine holprige und unbefahrbar wirkende Seitenstraße ein, und wir befürchteten schon das Schlimmste für unsere Übernachtungsmöglichkeit. 150 Meter später bogen wird dann aber überraschend in eine sehr schöne Hotelanlage ein, wo man als Erstes das Gepäck aus dem Auto riss und uns dann das Zimmer zeigte, während das Gepäck in der Hotelhalle, so man diese Veranda so nennen konnte, liegenblieb, wo Holger es bewachte, während wir das Zimmer inspizierten.

Tatsächlich hielt das Hotel alle am Flughafen gemachten Versprechen und wartete während unseres Aufenthaltes mit keiner bösen Überraschung auf.

Dann ging es an den Strand. Dabei fiel sofort auf, dass in Bali fast jedes Haus ein Geschäft enthält. Ein Drittel sind Wechselstuben, ein Drittel sind Essstätten, ein Drittel sind Tattoo & Piercing Studios und ein Drittel verkaufen Kleidung.[7][7] Allen Rechenkünstlern sei hier angemerkt, dass öfters ein Geschäft mehrere (oder alle) Aufgaben übernahm.

Außerdem gibt es überall Leute, die versuchen, die Touristen in einen Handel zu verwickeln. Alleine während der 24 Stunden, die wir dort waren, wurde mir ein paar Dutzend Mal gesagt, wie schön mein Haar sei. Dabei wurde dann ein Bild von einem gerasterzopften Hinterkopf hochgehalten und so was wie "billig, billig" gemurmelt. Fast hätten sie mich soweit gehabt und ich wäre wirklich mit Rasterzöpfen zurückgekommen.

Freitag, 30.6.2000 (Den Pasar)

Wir bestellten uns ein Taxi und handelten mit dem Fahrer einen Preis von 150.000 Rupien (35 DM) aus, damit er uns drei Orte zeigen sollte. Insgesamt kamen wir so knapp 100 km herum. Als Erstes ging es mit einer abenteuerlichen Fahrt[8][8] Gibt es Verkehrsregeln in diesem Land? zu einer alten Tempelruine. Affe mit Ananas.
Auch wenn er unsere Ananas in der Hand hält: Er ist keiner meiner Mitreisenden.
Auf dem Weg dorthin verlangte unser Fahrer ein bisschen Vorkasse. Diese nutze er, um kurz an den Rand zu fahren und die Polizeistation zu besuchen. Hinterher hatte er das Geld nicht mehr …

Bei den Tempelruinen angekommen wurden wir als Erstes mit Tüchern eingekleidet, da wir die Stätte nicht mit kurzen Hosen betreten durften. Außerdem gab man uns drei Tüten mit Ananas mit, um damit die kleinen Äffchen anzulocken und zu füttern. Da Dirk und ich fotografierten, nahm Holger die drei Tüten in Verwahrung, allerdings nur so lange, bis der erste Affe kam und ihm zwei der Tüten sofort aus der Hand riss. So blieb uns also nur noch eine Tüte übrig, was aber auch genug war, um die Tiere anzulocken.

Als wir dann anderthalb Stunden später wieder zum Parkplatz zurückkamen, war unser Fahrer tatsächlich noch da. Er hatte die ganze Zeit gewartet und in Ruhe sein Auto geputzt, das auch vorher nicht schmutzig war. Nach zwei weiteren Stopps kamen wir dann am späten Nachmittag wieder nach Den Pasar, wo wir sogar unser Gepäck noch vorfanden. Dirk und Holger im Tempelbezirk.
Dirk und Holger im Tempelbezirk.
Im Flughafen gab es dann eine kleine Überraschung, mussten wir doch Geld bezahlen, um abfliegen zu dürfen, obwohl wir gerade das letzte Geld abgegeben hatten. Nach kurzem Umtauschen war das Problem dann gelöst und es ging Richtung Auckland weiter.

Samstag, 1.7.2000 (Auckland, Neuseeland)

Jetzt war also der anstrengendste und aufregendste Teil unserer Reise hinter uns?

Neuseeland ist sehr darauf bedacht, keine neuen Pflanzen oder Tierarten zu importieren. Deshalb wurde das Flugzeug (mit uns drin) zweimal mit Desinfektionsmittel kräftig eingesprüht, was natürlich völlig unschädlich für Menschen sein soll. Außerdem mussten wir einen Fragebogen ausfüllen, auf dem solche Sachen anzukreuzen waren wir: "Waren Sie in den letzten vier Wochen in einem Wald oder auf einem Bauernhof?" Nun, ehrlich wie ich bin, konnte ich diese Frage nur mit "Ja" beantworten, was mir dann auch eine Unterredung mit einem Beamten einbrachte, der wissen wollte, ob ich die Schuhe, die ich im Wald an hatte, auch dabei habe. Da verließ mich dann meine Ehrlichkeit, worauf ich doch einreisen durfte. Ein nett aussehender Hund erschnüffelte an Dirks Rucksack wohl Äpfel von vor drei Tagen, weswegen Dirk erst mal seinen Rucksack vorzeigen musste, damit dort auch ja keine Lebensmittel drin waren. Holger hatte Wanderstiefel mit, die bei der Röntgenkontrolle des Gepäcks auffielen. Nach kurzer Inspektion der Erde in deren Profil, durfte er dann aber doch passieren.

Anschließend ging es zur Autovermietung, wo Holger mit seiner Kreditkarte (15.000 DM Verfügungsrahmen) die Kaution in Höhe von 5200 DM übernehmen sollte. Die war damit aber überfordert, wodurch wir das ganze dann auf meine und Dirks Kreditkarte splitteten. Meine war damit zwar schon fast am Limit (3.000 DM Verfügungsrahmen), aber das war ja nicht so wichtig. Ohne Probleme nahmen wir den Camper in Empfang. Dieser war für drei Personen ausgelegt, sah aber nach dem Beladen sehr voll aus, und wir wunderten uns, wie wir das ganze Gepäck verstauen sollten. Das war aber für den Abend geplant, sodass es erst mal zu einer Stadtbesichtigung ging.

Neuseeland hat Linksverkehr. Ich setzte mich gleich hinters Steuer, um beim Abfahren vom Gelände der Autovermietung vorsorglich erst einmal den Scheibenwischer statt des Blinkers zu bedienen, da auch der nun an der anderen Seite des Steuers saß. Das Fahren klappte ganz gut und nach kurzem Einkauf ging es ins Auckland Domain Museum. Als wir wieder aus dem Museum zum Campervan zurück kamen, hatten sich mehrere unserer Probleme praktisch in Luft aufgelöst:

  1. Der Campervan sah nicht mehr so überfüllt aus.
  2. Wir hatten keine Sorgen, beim Rückflug zu viel Gepäck zu haben.
  3. Wir hatten genug Bügel, obwohl es nur drei an der Zahl waren.
  4. Wir hatten eine gute Ausrede, dass wir nicht an so viele Leute schreiben mussten.

Mit diesen Problemen hatte sich aber auch der Großteil unseres Gepäcks und ein Teil unserer Papiere in Luft aufgelöst, was uns dann doch nicht so gut gefiel. Unser Campervan.
So ein Campervan bietet eine Menge Platz - besonders wenn er leer ist.
Damit war jedenfalls unsere Planung für Neuseeland komplett über den Haufen geworfen. Andererseits waren die Unterlagen, auf denen unsere Planung stand, ja auch weg.

Unser nächstes 'Besichtigungsziel' war dann eine nahegelegene Polizeistation, wo wir zusammentrugen, was alles gestohlen war. Insgesamt waren das: zwei Pässe, zwei Personalausweise, ein Führerschein, zwei EC-Karten, eine Eurocard, Bargeld, mehrere Jacken, eine Spiegelreflexkamera samt Ausrüstung[9][9] Glücklicherweise hatte ich noch eine kleine Zweitkamera dabei, die mich mit Fotos versorgt hat., sowie unsere gesamte Kleidung. Insgesamt kam ein Wert von über 10000 DM zusammen. Damit war dann auch unser Reisekostenvoranschlag von 6000 DM endgültig über den Haufen geworfen.

Nach dem Besuch der Polizei ging es dann zum Honorarkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Auckland, das sich auch ganz deutsch gab und wegen Wochenende (es war Samstag) geschlossen hatte. Zum Einkaufen war es mittlerweile zu spät[10][10] Immerhin hatten wir Lebensmittel im Kühlschrank 'versteckt', die die Diebe verschont hatten., und wir steuerten einen Campingplatz an.

Trotz dieses überraschenden Tagesverlaufs, war unsere Laune nicht schlecht. Im Gegenteil: Der Galgenhumor blühte mehr den je. Von "Gib mir bitte die Postkarten aus Bali" - "Hole sie dir selbst. Sie sind in meinem Koffer." über "Mist, jetzt weiß ich, was ich unbedingt (in den Koffer) einpacken wollte." bis "Wie soll ich ohne meine Schreibunterlagen all diese Sprüche aufschreiben?" war wirklich alles dabei. Wer also noch neue und gute Witze darüber machen will, der muss sich wirklich anstrengen. Auf jeden Fall ist es eine gute Entschuldigung dafür, dass ich nicht allen schreiben konnte, da mir oft die Adressen fehlten.

Unterhaltsam war auch das Programm vor dem Wagenfenster. So sahen wir vier Personen (drei Männer und eine Frau) wegen des Regens mit dem Auto an den Duschen (immerhin fast 50 m entfernt!) vorfahren und in der rechten Tür verschwinden. Warum kam die Frau nur ein paar Sekunden später wieder heraus und verschwand in der linken Tür?

Glücklicherweise hatten wir die Campingausrüstung der Autovermietung doch mitgenommen und hatten so immerhin für jeden von uns einen Schlafsack, da uns auch diese geklaut worden waren, während die Campingausrüstung anscheinend keinen Gefallen gefunden hatte. Eine kurze Zählung der Schlafsäcke ergab dann aber doch nur die Zahl zwei, worauf Holger netterweise auf einen Schlafsack verzichtete. Ich hatte schon befürchtet, ich müsse mir mit Dirk einen teilen. Wer Dirk kennt, der wird verstehen, dass mir alleine schon dieser Gedanke Alpträume machen kann. In der Nacht war es relativ kalt, so dass Holger sich zwischendurch verzweifelt bemühte, Jacken und Handtücher zum Zudecken zu finden, womit er nur teilweise erfolgreich war.

Sonntag, 2.7.2000 (Auckland)

Dem Himmel war das Wasser anscheinend immer noch nicht ausgegangen, dem Campingplatz aber wohl schon, Pinguine.
Frackträger in der Antarktik-Welt in Auckland.
kam doch erschreckend wenig Wasser aus den Duschen heraus.

Da Sonntag war, ließen wir die Fluggesellschaften (unsere Tickets waren auch weg) und das Konsulat links liegen und besichtigten als Erstes verschiedene Einkaufszentren, die sich nicht um den heiligen Feiertag sorgten. Auch ein Schlafsack für Holger war bald gefunden. Glücklicherweise war noch genug Geld da, so dass wir nicht erst Casino spielen gehen mussten, um unsere Reisekasse aufzubessern. Dabei hätte ich in der Skycity von Auckland sicherlich meinen Spaß gehabt. Ich liebe ja ein wenig das Risiko, und die Regeln für Poker und Black Jack sowie die ein oder andere Roulette Strategie sind mir sowieso bekannt. Anschließend gingen wir in eine tolle Unterwasser- und Antarktikwelt und ins Kino, wo wir "Mission Impossible 2" sahen (nett, aber um Längen schlechter als der erste Teil). Danach besuchten wir Inge, eine Freundin von Dirks Mutter, die uns in ihrer Einfahrt übernachten ließ.

Montag, 3.7.2000 (Auckland)

Nach dem schmackhaften Frühstück rettete Inge uns den Urlaub: Sie schenkte uns ein altes Skatspiel. Unseres war - wegen besonders wertvoll vermutlich - gleich mitgeklaut worden, und wir hatten es schon schmerzlich vermisst und nirgendwo Ersatz auftreiben können.[11][11] Vermutlich wurden die Karten in den oben genannten Kasinos für Black Jack benötigt. Auch unsere "ewige Bestenliste", die alle Ergebnisse des Urlaubs zusammenzählen sollte, war von uns gegangen und musste neu begonnen werden.

Dann ging es kurz zur Polizei, die allerdings nichts von unseren Sachen gefunden hatte. Damit hieß es endgültig Abschiednehmen von der Hoffnung, wenigstens Teile unseres Gepäcks zurückzubekommen. Anschließend beantragten wir beim Konsulat überraschend problemlos neue Pässe, um die Reise fortsetzen zu können. Die Pässe könnten sofort ausgestellt werden, wenn die Bestätigungen aus Löningen bzw. Uelzen vorlägen (frühestens Dienstag) und wären dann einen Tag später im Konsulat, da sie noch von der Botschaft aus Wellington zugeschickt werden müssten. Da unser nächster Flug aus Christchurch (ca. 1500 km + 3 Stunden Fähre) am Donnerstag früh um 5.30 gehen sollte, entschlossen wir uns, die Pässe in Wellington abzuholen. Der Rest der Strecke sollte eine Nachtfahrt (sieben bis neun Stunden) in Anspruch nehmen.

Jetzt ging es zu STA-Travel, um unsere Flugtickets wiederzubekommen. Die schickten uns zu Quantas (Inneraustralische/-neuseeländische Flüge), Garuda (Rückflug Dirk und Holger) und Malaysian Airlines (mein Rückflug). Quantas war die wichtigste Station, da wir die Tickets eben bis Mittwochabend brauchten. Die kamen aber nicht an unsere Flugdaten heran, mussten diese doch erst von STA in Hannover in den Computer gehauen werden. Damit gab es die frühestens morgen. Da wir schon wussten, wie STA-Travel hier in Hannover arbeitet, setzten wir meine Mitbewohner in Deutschland darauf an, hier mal ein wenig Druck zu machen. Diese erzählten uns hinterher, dass die Mitarbeiter von STA-Travel beim Namen "Tönnies" (Dirks Nachname) schon fast einen Schreikrampf kriegten.

Garuda sagte uns die Tickets für Adelaide zu (war früh genug) und Malaysian Airlines schickte uns wieder zurück zu STA-Travel. Die gaben dann sogar zu, dafür zuständig zu sein, und versprachen mir mein Ticket auch für Adelaide. Dafür gaben sie uns auch noch kostenlose Passfotos, wenn auch erst im zweiten Anlauf, weil der Apparat erst nicht geladen war.

Nach weitere Einkäufen machten wir uns dann am frühen Nachmittag nach Rotorua auf. Schließlich waren wir ja zum Urlaubmachen dort.

Dienstag, 4.7.2000 (Rotorua)

Wir besichtigten die heißen Quellen bei Waitopu und sahen auch einen kleinen Geysir. Geysir.
Wenn man einen Geysir reizt, dann bricht es aus ihm heraus.
Dieser Geysir bricht jeden Tag genau um 10.15 Uhr aus, weil er dann mit Seife 'gefüttert' wird. Dadurch sinkt die Oberflächenspannung, und der Druck kann sich entladen. Insgesamt war das Gelände sehr schön und abwechslungsreich, allerdings finde ich den Yellowstone National Park (USA), den ich früher mal besichtigt habe, viel imposanter. Auch ist der dortige Geysir viel größer und kriegt ihn noch alleine hoch (natürlich den Wasserstrahl!).

Anschließend wurde wieder telefoniert. Die deutsche Botschaft in Wellington sagte, dass die Antwort aus Uelzen schon da sei, die Antwort aus Löningen noch nicht. Also wurde Dirks Mutter darauf angesetzt, dort mal nachzuforschen. Ein weiterer Anruf versicherte uns, dass Quantas nun alle Unterlagen habe und unsere Tickets in Wellington ausstellen könne. Die freundliche Dame machte uns aber auf weitere Probleme deutlich:

Also telefonierten wir auch mit der australischen Botschaft, von wo uns erklärt wurde, wir sollten die Pässe zu ihnen faxen. Außerdem brauche man gar kein Weiterflugticket, man müsse nur den Grenzbeamten davon überzeugen, dass man nicht für länger als drei Monate dort bleiben wolle. Also hofften wir mal, dass die Kopie unserer Anzeige bei der neuseeländischen Polizei sowie unsere Flugticketnummer dafür ausreichen würden.

Also ging es Nachmittags Richtung Wellington weiter durch eine wunderschöne Landschaft, die noch viel schöner gewesen wäre, wenn es nur nicht die ganze Zeit geregnet hätte. Abends sahen wir uns dann den Film "60 Sekunden" an, indem es um den Diebstahl von Autos geht. Klar, dass wir uns so einen Film nicht entgehen lassen konnten.

Mittwoch, 5.7.2000 (Wellington)

Unser Besuch bei der deutschen Botschaft verlief problemlos, und wir hielten anschließend unsere neuen Pässe in der Hand, die wir von nun an sorgsam hüteten und nicht im Auto ließen, wenn nicht auch einer von uns dort blieb.[12][12] Ja, wir sind lernfähig! Auch ließen wir gleich ein Fax an die australische Botschaft wegen der Visa schicken.

Quantas hatte auch tatsächlich alle Unterlagen, und wir konnten unsere Flüge sogar noch so umbuchen, dass wir aus Wellington losfliegen konnten. Sicherheitshalber beantragten wir auch noch Visa, was ja schließlich nicht schaden konnte. Vor lauter Freude aus unseren Gesichtern über die neuen Tickets, waren die Leute bei Quantas scheinbar so befriedigt, dass sie auch kein Geld verlangten, obwohl die Preisliste, die auslag, doch eigentlich anderes verlauten ließ.

Anschließend ging es ins Museum und dann zum Flughafen, um nach Sydney weiterzufliegen. Am Flughafen suchte die Dame am Schalter erst mal verzweifelt unsere Visa, fand sie aber anschließend doch noch. Sie waren vielleicht ein wenig kurzfristig beantragt worden. In Sydney gab es gar keine Probleme mit dem Grenzbeamten, wollte der doch gar kein Weiterflugticket sehen, obwohl wir uns schon so eine schöne Argumentation zurechtgelegt hatten.

Unterkunft fanden wir in einem "Backpacker-Hotel". Dort schläft man mit bis zu 20 Leuten in einem Raum. Außerdem gibt es eine Küche, in der sich jeder etwas zu essen machen kann. Leider war der Schlafsaal mit einem Wort gesagt sehrsehrkalt, und Dirk und ich hatten nur jeweils eine dünne und viel zu kleine Decke, die diesen Namen wirklich nicht verdiente.

Zum Abendessen waren wir in einer Bar, bei der man rohes Fleisch einkaufen und sich selbst auf einem großen Grill braten konnte. Keine schlechte Idee, will doch sowieso jeder sein Fleisch anders haben.

Donnerstag, 6.7.2000 (Sydney)

Heute ging es mit dem Flugzeug weiter nach Ayers Rock (Uluru), was ein Monolith mitten in der australischen Einöde ist. In der Nähe dieses Felsens wurde eine Touristenfalle aufgebaut, die nur aus Hotels, Restaurants und Souvenirgeschäften besteht.

Am Flughafen wollten wir ein Auto mieten. Es gab nur noch Wagen mit 4-Rad-Antrieb, die einen entscheidenden Nachteil hatten: Sie werden nur an Leute über 25 vermietet, was keiner von uns zu der Zeit war. Ich war zwar nur zwei Tage davon entfernt, aber erstens war das egal und zweitens hatte ich sowieso keinen Führerschein, den ich vorzeigen konnte, da mir den die deutsche Botschaft nicht ausstellen konnte.

Also mieteten wir uns wieder in einem Backpacker-Hotel ein, die dort wirklich sehr verbreitet sind, und buchten eine Tour Ayers Rock.
Mitten im Nirgendwo und trotzdem wollten wir hin.
zum Ayers Rock zum Sonnenuntergang und eine zu den Olgas, die dort auch in der Nähe stehen.

Beim Ayers Rock teilten wir uns, da ich höher hinaus wollte als die beiden anderen. Beim Aufstieg merkte ich, dass ich doch mehr von meinem Vater geerbt habe, als ich normalerweise merke. So wollte ich mehrmals nur noch bis zur nächsten Kuppe. Plötzlich war ich dann doch ganz oben, was mit einer wunderschönen Aussicht belohnt wurde.

Später ging es dann weiter zu einem Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang, wo sich bald mehr als Eicke.
Noch ist es ein weiter Weg nach oben.
hundert Touristenautos tummelten (Die großen Busse standen woanders). Auch hier ließ uns das Wetter mal wieder ein bisschen in Stich, aber dann gaben die Wolken die Sonne doch noch frei und Uluru hüllte sich in ein farbenprächtiges Rot. Wie gerne hätte ich das mit meiner seit fünf Tagen ehemaligen Spiegelreflexkamera fotografiert. Dirks Fotoapparat machte beim Fotografieren einen etwas übermütigen Eindruck, ließ er sich doch - trotz Entfernung von einigen hundert Metern - nicht davon abbringen, den Blitz zu betätigen.

Abends ging es dann noch in eine Open-Air-Bar, die allerdings schon um kurz nach Zehn ihren gesamten Betrieb einstellte. Außerdem hatte diese Bar den Nachteil, dass es von deutschen Touristen nur so wimmelte. Können die nicht woanders Urlaub machen? Kann man die nicht verbieten?

Freitag, 7.7.2000 (Ayers Rock)

Morgens ging es zu den Olgas, die wie eine Ansammlung von kleinen Ayers Rock aussehen und doch auch wieder ganz anders. Die Olgas.
Die Olgas.
Anschließend flogen wir mit einer kleinen Zwei-Propeller Turboprop Maschine nach Alice Springs, von wo aus es nach Adelaide weiterging.

Samstag, 8.7.2000 (Adelaide)

Gleich nach dem Abholen des Campervans verstauten wir erst mal das Gepäck. Sicher ist sicher! Anschließend fuhren wir zu Garuda (geschlossen wegen Wochenende) und zu STA-Travel. Die hatten kein Ticket für mich, sondern nur die Vermutung, dass es in einer anderen Filiale liegen könnte, die aber erst wieder am Montag offen ist. Da wir dann schon lange weiter weg sein sollten, merkten wir uns den Montag zum Anrufen vor.

Dann fuhren wir mit der Autofähre nach Kangaroo Island und übernachteten dort auf einem Parkplatz. 100 Meter weiter stand zwar ein Camping-Verboten-Schild, aber das hatten wir nicht gesehen und uns möglichst weit davon entfernt hingestellt. Dirk wollte (wie jede Nacht) die Gardine Richtung Osten geöffnet lassen, um von der Morgensonne geweckt zu werden. Das scheiterte schon daran, dass wir vor Sonnenaufgang aufstehen wollten. So wurde er - wie jeden Tag - von mir geweckt, da ich der einzige war, der durch Holgers Armbanduhr wach wurde. Schließlich hatten wir während der Reise auch Abschied von den mitgebrachten Weckern nehmen müssen.

Sonntag, 9.7.2000 (Kangaroo Island)

Für das extrem frühe Aufstehen[13][13] Insgesamt sind wir sowieso fast immer vor Acht aufgestanden. wurden wir mit einem herrlichen Sonnenaufgang an den "Remarkable Rocks" belohnt. Besonders schön war, das wir völlig alleine ohne jegliche anderen Leute waren.

Dann ging es weiter zur Admirals Cave. Dort lagen viele Seelöwen herum. Blöderweise waren doch tatsächlich Barrieren aufgebaut, damit die Touristen nicht so dicht herangehen. Seelöwen auf Kangaroo Island.
Seelöwe auf Kangaroo Island.
Da mir aber der Verlust meines schönen 300er Zoomobjektivs das Fotografieren erschwerte, musste ich doch auf eine Klettertour gehen, um näher heranzukommen.

Auf Kangaroo Island wimmelte es, wie der Name vermuten lässt, nur so von Kängurus. Leider lagen die meisten davon tot auf oder neben der Straße. Aber auch lebende Exemplare konnten wir fotografieren. Am häufigsten traf man aber Emus an, die hier zu tausenden herumliefen und in Wirklichkeit doch gar keine Emus war, was wir aber erst ein paar Tage später erfuhren. Eine besondere Plage sollten hier die Koalas sein. Trotz angestrengtem Suchen fanden wir aber gerade ein Exemplar. Daraus schlossen wir, dass sich Koalas so gut tarnen können, dass man gar nichts sieht. Pelikanfütterung.
Bei der Pelikanfütterung kamen die Vögel so dicht, dass man schon fast ein Weitwinkel gebraucht hätte.
Da wir viel Nichts sahen, muss es dort tatsächlich viele Koalas geben.

Anschließend ging es weiter zur Pelikanfütterung, bei der ich natürlich auch wieder in der ersten Reihe sitzen musste, um einen Pelikan schön drauf zu bekommen. Dafür überraschten mich die Pelikane damit, dass sie so nah kamen, dass sie mich sogar mit den Flügeln schlugen, als sie sich um den besten Platz für die Fütterung stritten.

Als wir dann später am Abend vor der Fähre auf die Rückfahrt zum Festland warteten, ging ich kurz zu einer Telefonzelle, um zu Hause anzurufen. Auf dem Rückweg lief mir dann eine Horde kleiner Pinguine über den Weg. Warum passiert so was immer, wenn der Fotoapparat im Wagen geblieben ist? Also musste ich noch einen kleinen Sprint hinlegen, um die Pinguine noch rechtzeitig vor der Überfahrt ablichten zu können.

Montag, 10.7.2000

Nach einer langen Nachtruhe[14][14] 8.15 Uhr Aufstehen. ging es dann an der Küste weiter Richtung Great Ocean Road. Ein Anruf bei Garuda ergab, das wir die Tickets jederzeit in jedem Office gegen 100 AU$ (ca. 140 DM) abholen könnten. Bei STA in Adelaide versicherte mir die Dame, dass sie nachforschen muss. Nach kurzer Warteschleife erzählte sie mir, dass das Hauptbüro gerade nicht besetzt sei und ich am besten morgen noch mal anrufen solle.

Beim Mittagsessen, bzw. beim darauffolgenden Abwaschen, stellte sich dann die Frage, wie viel Wasser eigentlich noch in unserem Tank war. Mein Vorschlag, das gesamte Wasser in Töpfe und andere Behälter zu füllen, um sie dann anschließend wieder in den Tank zu füllen, wäre wohl schon daran gescheitert, dass wir nicht genug Behälter gehabt hätten. Auch der Vorschlag, immer nur einen Topf zu füllen, der dann gleich wieder in den Tank gegossen wird, um das restliche Wasser in der Einheit "Topf" zu messen, wurde nicht verwirklicht.

Abends versuchte ich zum zweiten Mal vergeblich, irgendjemand aus meiner Familie in Deutschland zu erreichen. Ich dachte schon, die hätten meine Abwesenheit genutzt und sich heimlich in die USA abgesetzt.

Dienstag, 11.7.2000

Heute fuhren wir die "Great Ocean Road" entlang, die teilweise bizarre Felsformationen und sehenswerte Felsabschnitte bereithielt. Mittlerweile überrasche es Dirk und Holger auch gar nicht mehr, wenn ich irgendwelche Absperrungen 'übersah' und mich auf für Touristen nicht vorgesehenes Gebiet wagte, um ein paar Bilder zu machen. Diesmal sind sie mir sogar gefolgt.

Ein Anruf bei STA-Travel in Adelaide ergab nach kurzer Warteschleife, dass man sich erst mit STA in Auckland in Verbindung setzen müsse. Ein weiterer Anruf später ergab, dass die dort gar nichts von den verschwundenen Tickets wüssten (Putzig, hatten wir doch dort eine Verlustmeldung ausgefüllt). Jetzt müsse erst Deutschland kontaktiert werden, was wegen der Zeitumstellung natürlich erst morgen Ergebnisse bringe.

Mittwoch, 12.7.2000 (Melbourne)

Heute ging es nach Melbourne rein. Da uns dort zufällig ein STA-Büro über den Weg 'hoppelte' schauten wir kurz rein - mit Erfolg! Nach kurzer telefonischer Nachfrage erklärte uns die freundliche Dame (unfreundlich war eigentlich nie jemand), dass die Tickets in einer Viertelstunde da wären. Pinguin.
Bitte lächeln, Kleiner!
Als wir eine halbe Stunde später wieder vorbeischauten, konnte ich tatsächlich mein neues (handgeschriebenes) Ticket gegen Bezahlung von 44 AU$ (64 DM) in Empfang nehmen.

Ein Besuch bei Garuda für Dirks Ticket ergab, dass dort tatsächlich die wichtigen Unterlagen vorlagen. Leider lag erheblich mehr vor und die Dame wusste nicht, was die richtigen Ticketnummer waren. Das könne erst ein Fax nach Deutschland klären. Dann sei das auch im Computer. Also wurde das Fax in Auftrag gegeben, und wir planten die Ticketwiederbeschaffung für Brisbane ein.

Wir setzen unseren Stadtrundgang fort (Melbourne gefiel mir ganz gut) und machten anschließend eine Schifffahrt flussabwärts. Das Boot ließ erst ein wenig auf sich warten, und wir befürchteten schon, einen ganz kleinen Kahn abzubekommen, aber tatsächlich wartete es dann doch mit ca. 150 Plätzen auf. Das hieß, dass pro Passagier an Board (einschließlich uns) 50 Plätze zur Verfügung standen. Dafür erklärte uns der Matrose auch alle Sehenswürdigkeiten während des flussaufwärts gehenden Boottrips.[15][15] Aufmerksame Leser merken hier auf! Besonders interessant war dabei der Hinweis auf eine andere neue Schifffahrtslinie, die allerdings nur wenige Passagiere hat.

Anschließend ging es weiter nach Philipps Island zur "Pinguinparade". Jeden Abend klettern dort tausenden Pinguine an den Besuchertribünen vorbei und laufen durch die mit Flutlicht angeleuchteten Dünen zu ihren Nestern.[16][16] Jahre später war Holger erneut dort, sein Ehering ist es heute noch.

Der erst Schlag kam beim Eintritt, der mit ca. 18 DM pro Person wirklich nicht billig war. Der zweite Schlag folgte gleich darauf im Besucherzentrum: Fotografieren verboten! Das bedeutete für mich, dass ich besonders gut auf Aufseher aufpassen und das Blitzlicht ausschalten musste. Der dritte Schlag traf uns, als die ersten Pinguine an Land gespült wurden. Statt der erwarteten ein Meter großen Exemplare hatten diese Zwergpinguine eine Größe von ca. 20 cm. Außerdem schien es, als gäbe es hier mehr Aufseher, die das Fotografierverbot durchsetzen wollten, als Pinguine. Es kamen aber dann doch viele Pinguine an, und es gab ein paar Stellen, wo die Aufseher nicht so dicht gestreut waren und das Flutlicht vielleicht doch zum Fotografieren ausreichte.

Da uns der - zugegebenermaßen schöne - Pullover für 140 DM dann doch nicht zum Kaufen anregte, fuhren wir weiter Richtung Sale.

Donnerstag, 13.7.2000 (Sale)

Heute ging es den 90 Mile Beach entlang, der uns aber nicht so fesselte, da er - wie der Name schon sagt - nur aus Strand besteht. Twelve Apostel.
Die "Twelve Apostel" sehen heute vermutlich schon wieder ganz anders aus.
Fürs Baden war es aber doch ein wenig kalt. Abends fanden wir uns dann vor den Stadttoren von Canberra, der Hauptstadt Australiens, wieder.

Freitag, 14.7.2000 (Canberra)

Wir parkten bei den "Houses of Parliament" (über 1 Mrd. Baukosten!) und machten von dort einen kleinen Stadtrundgang, da es 8.00 Uhr war und die Besichtigungszeiten erst um 9.00 Uhr anfingen. Canberra ist völlig auf dem Reißbrett entstanden. Alle Straßen sind schon lange vorher geplant worden und verlaufen in konzentrischen Kreisen oder in völlig geraden Straßen, die entweder parallel verlaufen oder sich in einem Punkt, den Houses of Parliament, schneiden. Dadurch wirkt die Stadt einerseits sehr steril, andererseits ist sie aber auch sehr grün und sehenswert angelegt.

Auf unserem Stadtrundgang trafen wir auch auf ein Wissenschaftsmuseum, das wir natürlich nicht auslassen konnten. Parlament in Canberra.
Das Parlament in Canberra.
Im Museum konnte man so viele Sachen ausprobieren, anfassen und verändern, dass wir uns öfters gefragt haben, warum so etwas in deutschen Museen nicht möglich ist. Warum müssen die immer so langweilig sein?

Am Abend parkten wir dann auf einem Campingplatz in Sydney, wo ich auf dem Weg zu den Duschen ein zu groß geratenes Eichhörnchen erwischte. Warum sieht man solche Tiere immer dann, wenn man keinen Fotoapparat dabei hat? Und dann ärgerte es mich auch noch damit, dass es so nah rankam, dass ich erst wieder den ausgefahrenen Zoom reinfahren musste, um es fotografieren zu können.

Samstag, 15.7.2000 (Sydney)

Heute stand die Innenstadt von Sydney auf dem Programm, die wir mit Bahn, Monorail, Schiff und zu Fuß erforschten. Oper von Sydney.
Die Oper von Sydney zeigt ihre ganze Schönheit, wenn man sich ihr vom Wasser her nähert.
Abends ging es dann weiter nach Gosford, wo wir auf dem Parkplatz einer Reptilienfarm übernachteten, die wir am nächsten Morgen besuchen wollten.

Sonntag, 16.7.2000 (Gosford)

Ich wurde um kurz nach Mitternacht durch komische Geräusche und zuckende Lichter geweckt. Ein genauerer Blick aus dem Fenster offenbarte mehrere Feuerwehr- und Polizeiautos sowie deren Besatzung.
"Frei, frei, frei!
Endlich frei!
Der Gefangenschaft entflohen,
Alles and're einerlei,
Du bist frei, frei, frei,
Endlich frei!"
(von Reinhard Mey)
Kurze Zeit später stieg dann auch der Geruch eines Feuers in meine Nase, und Rauchschwaden vernebelten meine Sicht auf die Einsatzfahrzeuge. Nach einer kurzen Unterredung mit einer Polizistin, die eher gelangweilt meine Personalien aufnahm, und dem Wecken meiner Mitschläfer, wechselten wir den Parkplatz und stellten den Wecker etwas weiter, weil unser Morgenprogramm gerade ins Wasser bzw. ins Feuer gefallen war.

Um zehn Uhr waren wir dann pünktlich zur Eröffnung in Old Sydney, was nur ein paar hundert Meter von der Reptilienfarm entfernt lag. Dort tummelten sich etliche exotisch aussehende Vögel, die - wenn schon keine Reptilien - sich trotzdem über ihr neu gewonnene Freiheit zu freuen schienen.

Old Sydney ist ein Museumsdorf, das die Gründerzeit von Sydney nachbildet. Es bestand aus zwei Dutzend Gebäuden und ca. 10 Schauspielern, die quasi von 10 bis 16 Uhr durchgehend in teilweise miteinander kombinierten sehr witzigen Theaterstücken im Einsatz waren und das Publikum kräftig miteinbezogen. Es wurde so viel Programm geboten, dass man fast gar nicht zum Besichtigen der Gebäude kam.

Montag, 17.7.2000 (Port Macquarie)

Die Besichtigung des Koala Hospitals war ein bisschen enttäuschend, weil wir nur zwei Koalas fanden, die sich auch vor allem durch ihre Bewegungsunfähigkeit auszeichneten.

Später waren wir dann bei "Big Banana", einer Bananenplantage, die angeblich besichtigungswert war. Wir hatten das Gefühl, dass sie eher als Touristenfalle konzipiert war.

Abends stellten wir uns dann auf den Parkplatz von Wet'n'Wild, was wir am nächsten Tag besuchen wollten. Wir hatten ein bisschen Sorge, dass unsere Attraktion abbrennt, aber das geschah doch nicht.

Dienstag, 18.7.2000 (Wet'n'Wild)

Wet'n'Wild ist eine art Erlebnisbad, das vor allem durch ein Dutzend verschiedener aber atemberaubender Rutschen glänzt. Einmal mussten wir uns halt auch mal von den vielen Besichtigungen erholen.

Mittwoch, 19.7.2000 (Bundaberg)

In Bundaberg besichtigten wir die örtliche Rumbrennerei, und machten natürlich auch bei der Probe mit, die allerdings etwas mager ausfiel. Trotzdem ist es bei solchen Anlässen praktisch, einen Antialkoholiker als Fahrer dabei zu haben.

Anschließend ging es weiter nach Rockhampton und zu einer Krokodilfarm. Wir Koala.
Ein "müder Koala" ist ein Beispiel für einen Pleonasmus.
hatten uns extra schon mit Krokodilburgern beim Essen auf den Besuch der Krokodile eingestellt, aber die Farm war dann doch schon geschlossen. So fuhren wir an den Strand, wo ich allerdings der einzige war, der sich ins Wasser traute.

Donnerstag, 20.7.2000 (Townsville)

In Townsville besichtigten wir das Barrier Reef HQ, ein Aquarium, in dem die Gezeiten und Sonnenstrahlungen beim Great Barrier Reef exakt nachgebildet werden, so dass dort viele Korallen wachsen, die man dann durch das Glas bestaunen kann. Sogar eine "Streichelwiese" für Seesterne und andere komische Tierchen, die sich im Jahrhundert nur um ein paar Zentimeter bewegen, gab es.

Anschließend wollten wir noch in das Omnimax, einem halbrunden Kino, das aber schon um 16.00 Uhr seine letzte Vorstellung hatte. Ist hier nach 16.00 Uhr überhaupt noch was los?

Auf dem Campingplatz wimmelte es mal wieder von deutschen Touristen. Ich habe ja nichts gegen diese - meist harmlosen - Geschöpfe, die aber im Rudel ganz schön nerven können. Kann man nicht irgendwo (wie bei vielen Stränden gegen Haie) Netze auslegen, die die Touristen fernhalten?

Freitag, 21.7.2000 (Townsville)

Heute stand der Billabong Sanctuary südlich von Townsville auf dem Programm. Dort sollte man Krokodile halten und Känguru.
Dieses Känguru ließ sich streicheln.
Koalas bei der Fütterung zusehen können. Oder war es doch andersherum?

Im Endeffekt konnte man beides (bzw. alles vier) und sogar noch viel mehr, da der Billabong ein großer Vergnügungspark für Tiere war. So konnten sich Kängurus, Schildkröten und Enten (oder was immer das auch war) von den Touristen füttern lassen, Wombats und Koalas durften Touristen knuddeln, Schlangen durften die Touristen erklimmen und Krokodilen war es erlaubt, vor den Augen der Touristen ihre Wärter zu verspeisen oder es zumindest zu versuchen. Insgesamt eine wunderbare Möglichkeit, Dirk mit Wombat.
Wer ist niedlicher, Dirk oder das Wombat?
die wichtigen Tiere Australiens in freier Wildbahn[18][18] Äh, na ja … zu erleben.

Anschließend erreichten wir diesmal die letzte Vorstellung des Omnimax, die aber aufgrund eines nicht gerade gut geeigneten Films und des ziemlich stark verzerrten Bildes eher enttäuschend ausfiel.

An diesem Tag stellte ich fest, dass meine Kreditkarte nicht mehr bezahlen wollte. Das war eigentlich kein Problem, da wir ja noch genug Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung hatten. Die Frage war nur, wie ich ein paar Tage später ohne Geld, ohne Fahrkarte und ohne Bahnkarte vom Flughafen Frankfurt nach Uelzen gelangen sollte. Also setzte ich meine Eltern auf das Problem an.

Samstag, 22.7.2000 (Townsville)

Wir setzten nach Magnetic Island über, wo wir uns eine Schnorchelausrüstung liehen und dann am Strand Richtung Korallen schnorcheln gingen. Wir sahen zwar keine schillernde Farbenpracht von tausenden von Fischschwärmen, aber doch ein paar schöne Fische und viele Korallen in verschiedenen Farben.

Sonntag, 23.7.2000 (Cairns)

Wir fuhren zum Cape Tribulation nördlich von Cairns und machten dort einen Rundgang auf Planken durch den Regenwald. Der Führer erklärte uns viele Pflanzen und erklärte eine Menge über das Zusammenspiel der verschiedenen Pflanzen- und Tierarten. Auch einen großen Aussichtsturm gab es, Regenwald bei Cairns.
Regenwald bei Cairns.
von dem man auf verschiedenen Höhen die verschiedenen Ebenen des Regenwaldes gut betrachten konnte.

Anschließend machten wir eine Bootsfahrt im Daintree National Park, bei dem uns der Kapitän eine etliche Krokodile und Schlangen in verschiedenen Größen zeigte. Erstaunlich war besonders, wie gut er die Tierchen entdeckte, brauchten wir doch immer viel länger, bis wir sie sahen.

Abends sahen wir uns noch den Film "The Patriot" an, in dem Mel Gibson für die Unabhängigkeit Amerikas von England kämpfte.

Montag, 24.7.2000 (Cairns)

Heute bekam Dirk nun auch endlich sein Flugticket nach Hause. Da heute mein letzter ganzer Tag war, ließen wir uns ein bisschen Zeit und gingen nochmals durch Cairns und zum Baden an den Strand, wobei wir aber keinen richtig schönen Strand fanden. Der Strand auf Bali war viel besser.

Ich stellte fest, dass meine Kreditkarte wieder bezahlen wollte. Ein Dankesanruf bei meinen Eltern brachte aber die Information, dass sie gar nichts erreicht hatten. Das wunderte mich doch ein wenig, und ich fragte mich, ob meine Kreditkarte wohl in Deutschland funktionieren würde.

Dienstag, 25.7.2000 (Cairns)

Ich musste leider wieder nach Hannover und bestiegt deswegen meinen Flieger, der mich nach Zwischenstop in Darwin (Australien) und Umsteigen in Kuala Lumpur (Malaysia) nach Deutschland brachte.

Mittwoch, 26.7.2000 (Frankfurt)

Tatsächlich hatte ich in Frankfurt nur ein Problem, nämlich meine geklaute Bahnkarte, die ich für 38 DM durch eine neue vorläufige ersetzen lassen konnte. Eicke mit Papagei.
Wer ist wohl der größere Dummschwätzer?
Das schien mir zwar teuer und wenig kundenfreundlich, aber schließlich war es auch meine Schuld. Erfreulicherweise funktionierte meine Kreditkarte wieder, so dass ich dann auch ohne Probleme nach Hannover kam.

Epilog

Australien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Neuseeland hat mir nicht ganz so gut gefallen, was aber auch an der Kürze des Besuchs und an den etwas unglücklichen Umständen lag, die mich sicherlich nicht besonders positiv gestimmt haben.

Ich war sehr überrascht, wie problemlos doch noch alles geklappt hat und wie einfach es war, dort alle nötigen Papiere neu zu bekommen. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben. Der Urlaub war so zwar sehr teuer, aber er war es auf jeden Fall wert.[19][19] Spenden bitte an mich.

Und dann war(en) da noch …